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On-Demand-Verkehr: Konzept für die Zukunft der Mobilität?

Die deutsche Verkehrsinfrastruktur sieht sich großen Herausforderungen gegenüber. Im Kontext der Energiewende wird häufig auch von der sogenannten Verkehrswende gesprochen. Es geht darum, die Zukunft der Mobilität neu zu denken. Dazu gehören auch Ideen, flexible Mobilitätsangebote wie das Konzept des On-Demand-Verkehrs zu schaffen.

Was ist On-Demand-Verkehr?

Der englische Begriff „on demand“ hat sich auch im deutschen Sprachraum in diversen Bereichen bereits durchgesetzt. Dabei geht es immer darum, dass ein Produkt oder eine Serviceleistung auf Bestellung genutzt werden kann. On-Demand-Verkehr bezeichnet daher eine Mobilitätslösung, die auf Bestellung bezogen wird. Als Synonym wird häufig der Begriff „On-Demand-Mobilität“ (engl. on demand mobility) verwendet.

Im weiteren Sinne umfassen derartige Angebote alle öffentlichen Mobilitätslösungen, die keinen festen Fahrplan haben und nicht zum gewohnten öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) gehören. Dazu zählen demnach auch Mietwagenangebote, Taxiunternehmen und Carsharing-Anbieter.

Im engeren Sinne, gerade im Hinblick auf die Verkehrswende und den Einfluss der Digitalisierung, steht vor allem das Teilen von Fahrzeugen im Vordergrund. Man spricht hier vom sogenannten On-Demand-Ridesharing oder auch On-Demand-Carpooling. Dieses Konzept steht als Alternative und Ergänzung des öffentlichen Personennahverkehrs besonders im Fokus.

Funktionsweise: Mobilitätskonzepte auf Abruf im Alltag

Fahrten werden bei On-Demand-Services zumeist mit einem Pkw oder Kleinbussen durchgeführt. Je nach Variante ist die Abholung des Fahrgastes dabei haltestellengebunden oder per direktem Tür-zu-Tür-Service möglich. Die erste Variante, auch bekannt als Linienbedarfsverkehr oder Rufbus, kommt besonders häufig im ländlichen Raum zum Einsatz, wo der ÖPNV selten ausgelastet ist. Um ein Fahrzeug gemäß Fahrplan anzufordern, ruft ein potenzieller Fahrgast zumeist per App den Anbieter auf und gibt seine Position sowie das Fahrziel an. Daraufhin erhält der Dienstleister eine Nachricht, wo der Fahrgast abzuholen ist.
Bei modernen, digitalen Angeboten berechnet ein Algorithmus die optimale Route. Ist gemeinsames Fahren eine Option, werden weitere Fahrgäste mit einer ähnlichen Strecke mit dem gleichen Fahrzeug befördert. Das spart den Nutzern im Endeffekt nicht nur Geld, es ist vor allem eine effiziente und schadstoffarme Art der öffentlichen Mobilität.

Anwendungsbereiche von On-Demand-Angeboten im Verkehr

Egal ob in ländlichen Regionen oder im städtischen Raum: On-Demand-Projekte werden überall stetig vielfältiger und lassen sich sinnvoll an das Nutzungsgebiet anpassen. Speziell in den Territorien, deren bestehendes ÖPNV-Angebot eher mangelhaft ausfällt, trägt On-Demand-Verkehr zur Sicherung einer guten Mobilität bei. Sehr häufig wird gerade in Form eines Zubringer-Verkehrs auf Abruf in entlegenen Orten auf diese Weise der Mobilitätsbedarf abgedeckt.
In der Stadt punktet das Konzept durch Flexibilität und eine individuelle Nutzungsmöglichkeit. Im urbanen Raum dient Mobilität auf Abruf weniger als Ersatz des ÖPNV, sondern stellt vielmehr eine attraktive Alternative dar. Für viele ist dabei der Hauptansporn, nicht mit dem eigenen Auto fahren zu müssen und dennoch jedes gewünschte Ziel zu erreichen. Da sich in diesen Gebieten auch zumeist ein zeitlich unabhängiges Angebot von Fahrten und Fahrzeugen realisieren lässt, lassen sich On-Demand-Services auch sehr gut zu Randzeiten des normalen Verkehrsbetriebs nutzen.

Entwicklung der On-Demand-Mobilität: Wo steht das Konzept heute?

Das private Fahrzeug stellt häufig nicht mehr die einzige und favorisierte Art der Fortbewegung dar. Das Gegenteil ist eher der Fall. Das Interesse an alternativen Mobilitätslösungen steigt überall, auch in Deutschland. Ebenso ist es international auf dem Vormarsch. Grundsätzlich gilt dabei: Je einfacher und stressfreier sich eine Alternative zum Pkw nutzen lässt, desto häufiger wird diese Option auch genutzt. Auf dieser Grundlage wäre davon auszugehen, dass sich On-Demand-Verkehrsangebote besonders in städtischen Regionen vermuten lassen.
Doch weit gefehlt! Laut einer Studie des Verbunds Deutscher Verkehrsunternehmen von 2022 entfallen fast die Hälfte aller Angebote auf Kleinstädte und den ländlichen Raum. Dabei wurden mehr als 70 Unternehmen mit über 400 Fahrzeugen im Dienst befragt. Nur etwa ein Viertel der Projekte deckt den suburbanen und urbanen Raum ab. Ein Drittel der Fahrdienste wird in Mittel- und Oberzentren angeboten.

On-Demand-Verkehre sind eine Chance für die öffentliche Mobilität

Die ermittelten Zahlen legen nahe, dass sich im ländlichen Raum besonders große Chancen für On-Demand-Verkehre bieten. Das liegt daran, dass der bestehende Linienverkehr in bevölkerungsarmen Regionen oftmals große Lücken aufweist. On-Demand-Angebote im individuellen Verkehr fördern das Ziel, diese Lücken zu schließen und eine lohnende Alternative zum eigenen Auto zu bieten.
Im Lebensraum Stadt liegt ein besonders großes Potenzial in der gemeinsamen Nutzung von On-Demand-Verkehren, dem „Pooling“. Auf diese Weise lassen sich die Verkehrsdichte reduzieren und die Infrastruktur entlasten. Viele Anbieter nutzen für das Mobilitätsprinzip auf Abruf häufig kleinere Elektrofahrzeuge, deren Betrieb günstig und ökologisch nachhaltiger ist. Ein weiterer Vorteil ist die einfache Nutzung über digitale Apps auf dem Smartphone. Darüber findet der gesamte Prozess der Abfrage in Verbindung mit der Kommunikation und die Abrechnung statt.

Einschränkungen und Risiken für On-Demand-Mobilität

Genau in diesem technischen Umstand liegt auch ein Nachteil des Konzeptes, wenn Anbieter nur die digitale Nutzung ermöglichen. Ohne Smartphone und eine stabile Internetverbindung lassen sich die Dienste nicht verwenden. Obwohl in Deutschland der Großteil der Bevölkerung auf diese Grundlagen zurückgreifen kann, bleiben Zielgruppen in ländlichen Regionen mit einer geringen Netzabdeckung im Zweifel außen vor.

Hinzu kam bisher, dass On-Demand-Verkehre als Teilbereich zum öffentlichen Nahverkehr gehören und deshalb das Personenbeförderungsgesetz (PBefG) gilt. Die gesetzlichen Regelungen sahen lange keine individuelle Betrachtung von Mobilitätsangeboten auf Abruf vor. Das hemmte die Entwicklung von Konzepten, da sich Anbieter nur auf eine Experimentierklausel des Gesetzes berufen konnten.

Seit 2021 gelten On-Demand-Modelle nun in Form eines Linienbedarfsverkehrs oder gebündelten Bedarfsverkehrs als genehmigungsfähig. Aufgrund der notwendigen individuellen Betrachtung des Modells von Region zu Region liegt die konkrete Ausgestaltung jedoch in kommunaler Hand. Das hält erneut spezifische Chancen und Risiken bereit, die sich je nach Region unterscheiden werden.

Fakten zur On-Demand-Mobilität auf einen Blick

  • nicht an festen Fahrplan gebunden, zeitlich und örtlich unabhängige Abholung möglich
  • gilt als Teil des öffentlichen Verkehrs und unterliegt dem PBefG
  • zumeist Betrieb mit Pkw oder Kleinbus
  • Buchung eines Fahrzeugs oder Fahrdienstes erfolgt digital per App
  • gemeinsames Fahren mit einem Fahrzeug in Form von „Pooling“ ist effizient und nachhaltig
  • Anwendung in städtischen und ländlichen Gebieten mit spezifischen Vorteilen denkbar
  • gilt als Alternative und Ergänzung des ÖPNV

Zukunftsaussichten für On-Demand-Verkehr

Das On-Demand-Modell bietet für den Regional- und Nahverkehr ein großes Maß an Vorteilen, hält aber auch einige Herausforderungen bereit. Fakt ist, dass die Mobilitätswende kommen wird oder bereits begonnen hat. Das Angebot und die Nutzung abrufbarer Mobilitätsdienste sind ein erster Schritt in die richtige Richtung. Es bleibt dennoch abzuwarten, wie die On-Demand-Konzepte mit dem klassischen ÖPNV harmonieren und je nach Region ausgestaltet werden. Grundsätzlich ist das individuelle und flexible Angebot definitiv eine Alternative zum Privatfahrzeug.